Last, but not least: Gastblog, Teil 3

17:55:00 Alternulltiv Hamburg 0 Comments

....und last but not least: der Beitrag von Anne Zeiß.
Vielen Dank auch dafür!!!

Wir hoffen, Ihr habt genau so viel Denksanstösse bekommen....?!





Wie wir Umweltschützer angeblich die Welt zerstören
Wir haben immer unsere eigenen Beutel dabei. Wir laufen die zwei Kilometer zum Unverpackt-Laden, obwohl der Supermarkt um die Ecke ist. Wir schleppen die schweren Glasflaschen nach Hause, statt zu den leichteren aus Plastik zu greifen. Wir reichen unsere eigenen Becher und Dosen über die Theke, um sie befüllen zu lassen. Wir mischen unsere Kosmetikprodukte selbst. Wir sind ständig auf der Suche nach müllfreieren Alternativen und verzichten auch auf das ein oder andere, weil wir einfach keine finden. Trotzdem macht es Spaß, dem Müll den Kampf anzusagen. Man entdeckt so viele neue Möglichkeiten, spart nicht selten sogar Geld, und zu sehen, was man schon alles erreicht hat, ist ungemein erfüllend. Klar, vielleicht retten unsere vielen kleinen Bemühungen nicht die Welt, aber was wäre, wenn wir deshalb einfach alle gar keinen Gedanken mehr an die Umwelt verschwenden würden?
Zugegeben, um seinen Lebensstil nachhaltiger zu gestalten, muss man etwas tun. Man muss an sich arbeiten, Gewohnheiten ändern und auch einfach mal über den eigenen Schatten springen. Dass sich etwas auf der Welt ändern muss, sehen zwar die meisten ein, aber bei sich selbst anzufangen ist vielen dann doch zu anstrengend oder sie haben schlicht und ergreifend keine Lust dazu. Stattdessen suchen sie lieber nach Argumenten, ihr Nichtstun zu rechtfertigen. Besonders beliebt: „Das bringt doch sowieso alles nichts! Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein!“
Dann gibt es Leute, die noch weiter gehen: Sie suchen nach Gründen, warum die Maßnahmen, die wir ergreifen, um die Umwelt zu schützen, sogar schlecht für diese sind. Und plötzlich sind sie diejenigen, die sich umweltschonend verhalten, obwohl sie an ihrem Verhalten nicht das Geringste verändert haben. Dafür haben sie Artikel mit Titeln wie „Die Heuchelei um den Mehrweg-Kaffeebecher“ ins Netz gesetzt, die man den selbsternannten Umweltschützern selbstzufrieden unter die Nase halten kann. Dort heißt es dann, dass es unökologisch ist, sich den Coffee to go in den eigenen Becher füllen zu lassen, weil dieser so energieintensiv gespült werden muss. In den Kommentaren findet sich viel Zustimmung. Während viele Leser weitere Nachteile von Mehrwegbechern auflisten, schlägt einer ironisch vor, doch gleich auch alles Porzellangeschirr zu Hause durch Pappteller zu ersetzen, um Energie zu sparen.
Ein britisches Mode- und Lifestyleportal führt unter dem Titel „Well-Intentioned Acts That Don't Actually Make Anything Better“ gleich eine ganze Liste von Umweltsünden auf, die wir in dem Glauben, Gutes zu tun, begehen. Demnach sind wiederverwendbare Taschen viel schädlicher für die Umwelt als Plastiktüten, weil man sie so oft benutzen muss, um die Energiebilanz der Herstellung auszugleichen. Außerdem bestünden sie oft aus nicht biologisch abbaubarem Material, das jahrelang auf Mülldeponien herumliege. Und inwiefern sind Plastiktüten abbaubar? Übrigens auch schlecht für die Umwelt: Regionale und Bio-Nahrungsmittel kaufen und Müll recyceln. Letzteres ist deshalb unökologisch, weil der Recyclingprozess Energie verbraucht. Da wäre es doch besser, alles in Mülldeponien zu lagern, so viel würde da gar nicht zusammenkommen.
Natürlich ist nicht alles, was auf den ersten Blick grün wirkt, wirklich nachhaltiger und man sollte sein Handeln immer wieder hinterfragen. Dass es sinnvoller ist, mit einer Tasche, die man ohnehin schon besitzt – und mal ganz ehrlich, in welchem Haushalt findet man kein einziges Behältnis, in dem sich der Einkauf nach Hause tragen lässt? – einkaufen zu gehen, als sich im Laden eine neue Einwegtüte zu nehmen, ist doch wohl ziemlich logisch. Und weil wir das wissen, können wir bei solchen Vorhaltungen ganz ruhig bleiben, sachlich argumentieren, statt uns aufzuregen, und uns vor allem nicht entmutigen lassen. Natürlich müssen wir, wenn wir unseren Planeten erhalten wollen, mehr tun, als Stoffbeutel mit uns herumzutragen und unseren Müll zu trennen. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir unsere Bemühungen aufgeben sollten, denn sie bringen dieser Welt immer noch mehr, als wirre Theorien zu erfinden, um anderen ihr umweltbewusstes Handeln madig zu machen und so sein sein eigenes Gewissen zu beruhigen. 

by Anne Zeiß

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