Gastblog, Teil 2

13:47:00 Alternulltiv Hamburg 1 Comments


...und hier kommt gleich der 2. GastblogBeitrag hinterher.
Viel Spass beim Lesen und ein liebes Dankeschön an Johanna Wüst fürs den Beitrag.




Mein Weg zu einem Leben mit weniger Müll
Wie ich dazu kam, mich mit Plastikvermeidung und Zero Waste zu beschäftigen
Vor zwei Jahren begann ich mich mit dem Thema Plastik im Rahmen meiner Seminarfacharbeit „Life in plastic, it’s fantastic? – Eine Untersuchung des Verbrauchs von Kunststoffen in heimischen Haushalten […] und die Konsequenzen für unsere Umwelt“ auseinanderzusetzen. Damals war es mir wichtig, ein Thema zu erarbeiten, bei dem ich selbst praktisch tätig werden und etwas ausprobieren konnte. So kam es, dass ich einen Beitrag im Fernsehen zum Plastikfasten sah und dieser mich und meine Arbeitsgruppe inspirierte, auch einen Selbstversuch zu starten. Nach ausführlicher theoretischer Recherche stellten wir die Regeln für unseren zweiwöchigen Versuch auf. Die Vorbereitung beinhaltete aber auch eine Teilnahme am Jugendumweltfestival „Crash the Trash“, bei dem ich Alternulltiv Hamburg und viele weitere engagierte Vorreiter des Zero Waste Lifestyles persönlich kennenlernen durfte. Es wurden sehr inspirierende Gespräche geführt und am Ende hatte ich in mehreren Workshops schon meine ersten Produkte wie Zahncreme, Deocreme und Geschirrspülpulver selbst plastikfrei hergestellt. Zum damaligen Zeitpunkt war es mir und meiner Familie während des Selbstversuchs möglich, die Masse unseres Plastikmülls einer Woche um 75 % zu senken. Jedoch war eine Ausdehnung des Versuchs aufgrund verschiedener Faktoren, wie unserer Wohnlage, nicht möglich und umsetzbar.
Was ich momentan mache, um „die Welt zu retten“
Dennoch verfolgte ich stets die Entwicklung des Lifestyles, machte mich mit Hilfe verschiedener Bücher schlauer und beobachtete wie immer mehr Unverpackt-Läden eröffneten. Als ich schließlich bei meinen Eltern auszog und mir mit meinem Freund in der nächstgrößeren Stadt eine Wohnung suchte, ergaben sich neue Möglichkeiten. So konnte ich letzten Sommer bei den Vorbereitungen für die Eröffnung des Unverpackt-Ladens in Jena helfen und weitere Kontakte mit Gleichgesinnten knüpfen. Inzwischen kaufe ich dort mindestens einmal die Woche lose meine Produkte des täglichen Bedarfs ein: Nudeln, Reis, Müsli, Shampoo, Zahnpastatabs, Waschmittel. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch notwendig, da ich seit Mitte Februar plastikfaste. Ich habe die Fastenzeit zum Anlass genommen, noch einmal mit meinem Freund zusammen einen Selbstversuch zu starten und wenig bis keinen Plastikmüll zu produzieren. Anfänglich war die Benutzung einiger alternativer Produkte schon etwas komisch, aber ich habe schnell gemerkt, dass das Gewöhnungssache ist. Ich bin außerdem von diesem Lebensstil überzeugt, und weiß, dass ein Leben ohne Plastik für mich und die Umwelt wesentlich gesünder ist. Zudem macht es riesigen Spaß, Produkte selbst herzustellen und festzustellen, dass sie den handelsüblichen in nichts nachstehen und man sogar weiß, was drin ist! 
Wohin ich in den nächsten Monaten gelangen möchte
Nach der Fastenzeit wünsche ich mir natürlich, möglichst viel beizubehalten. Denn, wenn diese Wochen mir eines gezeigt haben, dann, dass es für mich möglich ist, auf Plastik in vielen Bereichen zu verzichten und das es jedem möglich ist, einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Eines Tages würde es mich natürlich schon reizen, sogar Zero Waste anzustreben, aber alles Schritt für Schritt. Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg dorthin. Natürlich gibt es immer wieder Hürden und für manche Dinge findet man vielleicht nicht sofort Ersatz. Aber was man immer im Kopf behalten sollte: be the change you wish to see in the world!



by Johanna Wüst



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Gastblogs, Teil 1

14:58:00 Alternulltiv Hamburg 0 Comments


Vor Kurzem haben wir Euch gefragt, wer Lust auf einen Gastblog-Beitrag bei uns hat.
Wir haben aus den zahlreichen Zuschriften 3 tolle, wie wir finden, für Euch rausgesucht.
Hier kommt der erste Blopost von Ulrike Mühlhaus.
Sie schreibt über Ihre Erfahrung über eine Klassenfahrt "Zero Waste Style".

Ein dickes Dankeschön an Dich, Ulrike!!!


Plastikfrei auf Klassenfahrt – Meine Erfahrungen
Müde steige ich aus dem vollen Bus aus. Heiße Berliner Stadtluft schlägt mir entgegen. Forschend schweift mein Blick durch die Gegend. Unser Hostel, große, glatte, orangene Gebäude. Links daneben ein Bio-Laden (Super!); rechts davor ein verlassener Einkaufswagen voller Abfall. Bewusst schaue ich nun auch auf den Boden, zwischen die Fahrradständer, die Mülleimer und den Bänken vor den Cafes: überall liegt Müll. - Nicht für mich!- danke ich und fühle mich wie ein Ritter, der stolz in die Schlacht zieht. Meine Woche in Berlin, meine Klassenfahrt soll plastikfrei werden.
Doch schon, bevor es los ging, stellte sich heraus, dass es nicht ganz funktionieren würde: Montagmorgen, den Rucksack geschultert, drückte mir meine Mama noch eine große Packung Waffeln in die Hand, natürlich in Plastikverpackung. Aber gut, denke ich, da kann ja niemand was dafür, die hatte sie schon vor der Verkündigung meiner fixen Idee besorgt und da auf Klassenfahrt bei uns sowieso teilzeit Essenskommunismus existiert, nahm ich sie mit. Auch wenn Müll nun mal Müll bleibt, müssen so die Anderen vielleicht weniger Süßigkeiten kaufen.
Für den ersten Tag hatte ich an Essen schon vorgesorgt: Obst, Gemüse und Brötchen vom Bäcker im Dorf reichten mit den Müslikeksen sogar noch bis Dienstagabend.
Frühstück aßen wir jeden Morgen im Hostel. Mit meinem mitgebrachten Aufstrich bediente ich mich an Brötchen, Äpfeln und Bananen. Nicht viel Müll (am Obst klebten kleine Aufkleber) zu produzieren war hier also gar nicht so schwer. Wer nicht auf seinen Abfall achtete, bediente sich aber auch an kleinen, in Plastik verpackten Portionen Marmelade, Butter oder Margarine, wie wir sie aus Hotels kennen. Auch Käse und Wurst kamen aus supermarktüblicher Verpackung. -Doch eigentlich, liebe Hotelbesitzer, muss es doch gar nicht so sein. Ich habe auch schon Frühstücksbuffets gesehen, bei denen die Marmelade in Schüsseln war und man sie mit einem Löffel auf‘s Brötchen oder in kleine Gebäckbecherchen, wie Eiswaffeln, geben konnte. Eine super Idee um Müll zu vermeiden, wenn man bedenkt, wie viel Abfall entsteht, wenn jede Marmeladenportion einzeln verpackt ist. –
Oft nahm ich mir für den Tag auch Obst mit, aber auch so fand ich es gar nicht so schwer, auf Plastikmüll zu verzichten. Niemand verneinte mein: „Könnten Sie die Brötchen bitte in den Stoffbeutel tun?“ und auch Kuchen tat die Verkäuferin des veganen Cafes ohne zu Zögern in meine Brotbüchse. Ganz mitleidig klang sogar ihre Stimme, als sie meinte, sie hätte aber doch ein Papier zwischen die Stücke gelegt, damit sie nicht zu sehr aneinander klebten.
Um beim unterwegs Essen Müll zu vermeiden, muss man sich Zeit nehmen für das Essen, denn wer vor Ort isst, muss keine Verpackung mitnehmen. Statt coffee-to-go lehnten meine Freundin und ich uns nach einem Museumsbesuch in Sessel zurück und tranken gemütlich unseren Kaffee. Mir hat es Spaß gemacht, in den Restaurants zu sitzen, Gerichte zu probieren und das Ambiente zu genießen. Zu meinen Lieblingen gehörte der „Vöner“, ein veganer Vöner, direkt in der Straße unserer Unterkunft. Nicht nur der klassische Vöner wurde probiert, auch Burger und Pommes mit Zwiebeln und veganer Käsesoße mussten getestet werden. Wenn man schon einmal die Chance dazu hat, müssen die Kleinstädter sie auch nutzen ;)


by Ulrike Mülhaus

Bei solchen Gelegenheiten kam aber trotzdem der meiste Müll an, Kebab-Papier und vor allem Servietten ärgerten mich dann doch manchmal. Und wenn wir nun schon bei den Geständnissen der Misserfolge sind: dazu kamen dann noch desöfteren Kronkorken und Kassenzettel...




Als wir bei Veganz vorbei schauten, nahm ich auch gleich, um meinen Süßigkeitenhunger zu stillen, Schokocranberrys in einer schon benutzten aber noch verwendbaren Papiertüte, die ich mitgenommen hatte, mit, denn Veganz hat auch einen kleinen Unverpackt-teil in ihren Filialen.

Eine Freundin, bei der ich noch ein paar Tage länger in Berlin blieb, zeigte mir dann auch den Berliner Unverpacktladen, in dem wir auch gleich Linsen, Nüsse und Gemüse für unser Abendbrot kauften. Begeistern war ich auch von den Produkten, die keine Lebensmittel darstellten. Wir schnupperten uns durch Seifen und schauten uns Bürsten, Brotboxen und Flaschen an.
Zusammen mit ihr besuchte ich auch den „Karneval der Kulturen“ in Berlin. Bei diesem Straßenfest wird vom Veranstalter auch viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt und so ist es nicht verwunderlich, dass es an den Essensständen statt üblicher Plastik- oder Styroporverpackung, recyclebare Schalen aus z.B. Bananenblättern gab. Auch entdeckte ich einen Stand, an dem die Verpackung einer Seife aus solchen gepressten Blättern besteht.

by Ulrike Mühlhaus

Hoffnungsvoll und gestärkt aus Erfahrungen dieser Woche, bin ich am Montag wieder nach Hause gefahren. Ich habe gemerkt, dass es gar nicht unbedingt so schwer sein muss, einen Großteil von Müll im Alltag zu vermeiden. Natürlich ist es immer noch ein großer Unterschied, ob man sich in der Stadt oder auf dem Land, so wie ich im Normalfall, befindet, aber ich möchte weiterhin mehr Augenmerk auf meinen Müll achten und meinen Konsum ökologisch nachhaltiger gestalten.


Ulrike Mühlhaus

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